Atomversuche im Bierkeller

Für 100 Reichsmark im Monat

Sie suchen etwas bestimmtes?

Wusstest du schon, dass berühmte Physiker in Haigerloch Atomforschung betrieben? Als der Wirt des Gasthauses zum Schwanen im Juli 1944 seinen Felsenkeller für 100 Reichsmark monatlich an das Kaiser-Wilhelm-Institut für Physik vermietete, ahnte er wohl nicht, dass die Aushöhlung unter der Schlosskirche einmal so bedeutend sein würde. Die anhaltenden alliierten Luftangriffe auf die Hauptstadt sowie die anrückende russische Front hatten die Physiker um Werner Heisenberg und Carl Friedrich von Weizsäcker von Berlin in die bisher ruhige schwäbische Provinz getrieben. Dort wollen sie ihre Versuche zur Kernspaltung vorantreiben. Die Forscher hatten kein Interesse an den Kartoffel- und Biervorräten in dem kühlen Gelass zwanzig Meter unter der Erde. Vielmehr bauten sie dort einen großen Betonblock auf und füllten ihn mit anderthalb Tonnen Uran.

In dem Konstrukt wollten sie eine sich selbst erhaltende nukleare Kettenreaktion zum Laufen bringen – die Grundlage für einen Kernreaktor. Der Versuch misslang, der Mangel an spaltbarem Material zwang die Forscher, das Projekt abzubrechen. Eine US-amerikanische Spezialeinheit fand die Anlage am 23. April 1945 und demontierte sie tags darauf. Der beherzte Pfarrer von Haigerloch konnte gerade noch die Sprengung des Kellers verhindern und rettete damit die darüber stehende Schlosskirche. Heute erinnert das Atomkeller-Museum an diese spannende Zeit des „Uranprojekts“ in Haigerloch.